Philipp, Systems Engineer, Zurich, Switzerland

photo by Kevin Truong
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Philipp, in his own words: “Schwul zu sein heisst für mich, dass ich erkennbar anders bin. Ich bin Teil einer Gruppe, die potentiell Ächtung, Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt ist. Gleichzeitig gibt mir Homosexualität – vielleicht gerade dadurch – eine besondere Perspektive: ich nehme die Vorgänge z.B. in Russland und Ägypten mit Sorge zur Kenntnis, auch wenn sie mir nicht täglich durch die Medien in Erinnerung gerufen werden.

Und, meine ganz persönliche Meinung, Homosexualität erlaubt es mir, freier zu sein. Niemand erwartet z.B. von mir, dass ich eine Familie gründe. Und ohne diesen unterschwelligen Druck, ohne diesen normativen Zwang, so habe ich den Eindruck, kann ich mein Leben freier leben. Gleichzeitig bin ich mir aber auch wieder bewusst, dass Homosexuellen in vielen Ländern diese Freiheit noch immer verwehrt ist.

Wenn ich über mein Coming Out nachdenke, war mein „inneres Coming Out“ wohl meine grösste Herausforderung – und mein grösster Erfolg. Es war sehr schwierig für mich, meine Homosexualität zu akzeptieren. Ich habe sehr viel Zeit und Energie damit verschwendet, meine Homosexualität zu ignorieren, zu verdrängen und zu verstecken – bis ich mir dann eingestehen konnte, dass ich schwul bin (auch wenn meine Eltern und Familie nie irgendwelche Andeutungen gemacht haben, dass dies ein Problem wäre).
Mein „inneres Coming Out“ und später bei meiner Familie war dann auch ein Befreiungsschlag. Es mag wie ein Klischee klingen, aber jetzt, wo ich mich nicht mehr verstecken muss, fühle ich mich frei und kann all die Zeit und Energie, die ich früher aufgewendet habe um mich zu verstecken, sinnvoller einsetzen.

Mein eigentliches Coming Out war sehr einfach, aber der Weg dorthin war steinig. Wenn ich zurück denke, dann fühlte ich mich noch nie zum anderen Geschlecht hingezogen. Es hätte mir auffallen können, als sich in der Schule die ersten Jungs mit Mädchen anbändelten. Ich für meinen Teil… interessierte mich nicht dafür. Warum auch? Die 80er Jahre waren das „goldene Zeitalter“ der Computertechnik, die Zeit des Atari 800, des Commodore C64, der ersten IBM PCs. Ich fand das alles viel spannender…

Irgendwann fiel dann im Biologie-Unterricht das Wort „Homosexualität“ und mir fiel auf, dass ich Jungs attraktiver fand als Mädchen. Ich versuchte mich über das Thema zu informieren. Ohne Internet war meine erste Informationsquelle ein alter medizinischer Brockhaus, in dem Homosexualität noch als psychische Störung beschrieben wurde. Ich wusste noch nicht genau, was mit mir los war – aber ich war mir sicher, dass ich nicht geistig krank war.

Viel später, ich war bereits aus dem Elternhaus ausgezogen, geschah es dann und ich hatte meine erste Beziehung mit einem Mann – und es traf mich wie ein Schlag. Nach ein paar erfolglosen Beziehungen mit Frauen war da jemand, für den ich wirklich Gefühle hatte. Und das hiess wohl: ich bin tatsächlich schwul. Die Implikationen, so schien es mir, waren gewaltig: ich war schwul. Ich war anders. Ich müsste es meinen Eltern, meiner Schwester, meinem Schwager sagen. Ich würde keine Familie gründen.

Letzteres wog besonders schwer: nachdem meine Schwester und ihr Mann sich entschlossen hatten, keine Kinder zu haben, fühlte ich mich, als läge es an mir, die Familienlinie weiter zu führen. Dass ich keine Familie gründen würde und die „Blutlinie“ mit mir enden würde, machte mir sehr schwer zu schaffen und machte es mir extrem schwierig, meine Homosexualität zu akzeptieren. (Ich möchte hier noch einwerfen, dass meine Eltern und Familie nie eine Andeutung machten, dass sie mich als schwulen Sohn nicht akzeptieren würden – oder dass sie Kinder von mir erwarteten. Ich habe mir diesen Druck ausschliesslich selbst auferlegt.)

Es zogen etwa zwei Jahre ins Land, bis ich meine Zweifel abgeschüttelt hatte und bereit war, mich bei meinen Eltern zu orten. Allerdings wurde mein Vater in dieser Zeit plötzlich schwer krank – und verstarb bedauerlicher Weise bald darauf. Ich hatte das Gefühl, dass meine Mutter nun eher Unterstützung von mir brauchte, als dass ich sie nun zusätzlich belaste.
Es dauerte dann nochmals etwa zwei Jahre, bis ich mich dann bei ihr outen konnte: Ich reiste anlässlich der Europride 2012 nach Warschau und ich hielt es für richtig, ihr zu sagen, warum ich nach Warschau reiste – und dass ich schwul sei. Ihre erste Reaktion war ein fast schon klischeehaftes: „Oh, dann habe ich wohl keine Enkelkinder“. Die zweite Reaktion war das mindestens ebenso typische „Ach, aber das habe ich doch schon lange vermutet!“
Ich denke, sie tat sich anfangs schon noch etwas schwer damit und das Thema war ihr, wohl aus einer Unsicherheit, wie sie damit umgehen sollte, etwas unangenehm. Das alles änderte sich aber schlagartig, als sie und meine Schwester meinen Freund kennen lernten: beide schlossen ihn sofort ins Herz und ich glaube, meine Mom ist – wie alle Eltern – einfach nur froh, dass ihr Kind glücklich ist.

Ja, ich habe eine einzige negative Reaktion erlebt: meine Schwester beklagte sich, nachdem sich meine Mom am Telefon mit ihr verplappert hatte, warum ich es ihr nicht sofort gesagt hätte…

Zur schwulen Szene in Zürich kann ich nicht viel sagen, da ich mich kaum in Szenelokalen aufhalte. Ich habe einige schwule Freunde, engere und losere, die ich als sehr herzlich, aufgeschlossen und wichtig für mich beschreiben würde.

Welchen Rat würde ich meinem jungen Ich geben?
Mach’ Dir keine Sorgen – alles wird gut!”

Philipp, in his own words:“Being gay for me means, being recognizable as „different“. I am part of a minority, which is prone to discrimination, ostracism and persecution. At the same time, homosexuality gives me a different perspective: I am worried about what is happening e.g. in Russia and Egypt – even if the mass media do not remind me every day.

And – in my very personal opinion – homosexuality allows me to be free. Nobody expects me to start a family and have children. Without this subliminal pressure, without this normative restraint, I feel that I have free rein to do with my life what I feel is „right“. Never the less, I am aware that homosexuals in many countries are still deprived of this basic freedom.

When I think about coming out, I think my „inner coming-out“ was my biggest challenge – and my biggest success. It was exceptionally difficult at first, to accept my homosexuality and I have spent an awful lot of time and energy, trying to ignoring, hiding and blocking it out until I could accept the fact, that I was gay (even if neither my parents nor my family ever indicated in any way that this would be a problem).

My „inner coming-out“ and later on, coming out to my family, was a „coup de liberation“ for me. I know it may sound like a cliché, but as I now do not need to hide any more, I feel free. And I am able to make constructive use of all the time and energy I spent trying to hide.

My actual coming out was easy, but it was a bumpy road getting there. When I try to remember, I have to say I was never really attracted to the opposite sex. I could have noticed when the first boys started to have crushes on girls. Me… I did not. And why should I? The 80s were the „golden age“ of information technology. It was the time of the Atari 800, the Commodore C64, the first IBM PCs. The IT revolution seemed much more interesting than girls…

At one point, the term „homosexuality“ was mentioned in biology class and I suddenly noticed I liked boys more than girls. I tried to gather some knowledge, but without the internet, my only source of information was an aged medical encyclopedia, which still listed homosexuality as a „mental disorder“. I still did not quite know what was up with me – but I knew for sure I was not mentally ill.

A few years later, after I moved out from my parents, it suddenly happened: I had my first „relationship“ with a man – and it hit me like lightning. After a few (unsuccessful) relationships with women, there suddenly was someone whom I actually had feelings for. It was clear, what that meant: I was actually gay. The implications seemed unbearable: I was gay. I was different. I would have to tell my parent, my sister, my brother-in-law. And I would not have children.

The latter seemed most severe: after my sister and her husband decided not to have kids, I felt it was my duty to carry on the family line. The fact that I would not start a family and the „bloodline“ would end with me, made it extremely difficult for me to accept my homosexuality. (at this point, I would like to note that neither my parents nor my family ever indicated they would expect kids from me – or that they would not accept me being gay. It was all just in my head).

Another two years passed until I was finally ready to come out to my parents. Sadly, my father fell terminally ill and passed away shortly after during that time and I felt that my mother needed my support much more that she needed me to come out to her.

It took another two years until I could finally come out to her. I was traveling to the Europride 2012 in Warsaw and it seemed right to tell her the truth about the trip – and that I was gay. Her first reaction was an almost stereotypical „Oh, guess there won’t be grandchildren then…“. And her second statement was an almost equally typical „Well, you know, I always suspected…“

I think she still had some trouble adjusting to the fact and – I assume because she did not quite know how to handle the situation – got a bit insecure whenever the topic came up. But it all changed when she and my sister got to know my partner: they both immediately took him into their hearts and I think my mom is – just like every parent – just glad that her kid is happy.

Did I get any adverse reaction? Yes, but only one, from my sister: after my mom accidentally mentioned to my sister, that I was gay, she called me and complained that I did not tell her earlier…

I cannot say much about the gay scene in Zurich, as I seldom frequent the usual „scene bars“. I have a couple of gay friends, some close, some less, all of which I would describe as kindhearted, open and dear to me.

(Advice to my younger self) Don’t worry – it will all be well!”

2 comments

  1. Manel

    Well, I thought my “gayness” would disapear with time.
    My mother used to say “time cures everything”, and since I was told homosexuality was a “disease of the brain”, meaning a mental disorder, I waited “it” to disapear … I’m glad I waited in peace, no drama, since it took years to acknowledge the fact that “it” wouldn’t disapear.
    One day I had to give up … things didn’t change, only got worse :-) … with a dutch living in Zurich!!!!

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